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**Raphael**
I
In einer Zeit, in welcher Individualismus wichtiger als je zu scheinen vermeint, erlangt der Ruf nach einem Selbstbestimmten Leben, immer mehr Aufmerksamkeit. Ein solches individuell gestalteteres Leben, zeigt sich bei manchen Zeitgenossen mit dem Verlangen, ihr Leben „entschleunigen“ zu wollen.
Ein entschleunigtes Leben meint, dass Menschen ihr Leben weniger stressig gestalten, dazu gehören viele Möglichkeiten, die alle auf eine Stressreduktion abzielen. Während Befürworter bereits ganze Städte, in Deutschland 40, unter dem Motto eines langsamen Lebens beanspruchen, monieren Kritiker, dass dies bloß ein Trend sei, welcher weiterhin unter dem Vorwand der Selbstbestimmtheit, Egoismus suggeriert. Es stellt sich also die Frage, ob ein solcher „entschleunigter“ Lebensstil eine Sinnvolle Erweiterung in unserem Alltag bedeutet.
II
Zunächst ist es wichtig, sich den Vorzügen einer entschleunigten Lebensweise bewusst zu werden.
Anfänglich zeigt sich der gravierenste Vorteil einer solchen Entscheidung, in der bereits erwähnten Reduktion von Stress im Alltag.
Es gibt viele Wege, wie man eine solche Idee in seinen Alltag implementiert.
Es zielt einzig und allein darauf ab, den Tag mehr zugunsten des eigenen Wohlbefinden zu lenken. So ist es unter Berufstätige im Büro beliebt, etwa „kleidoskopartige Muster Aus\[zu\]malen“ (M.2, Z.2).
Das Ausmalen hierbei, hilft den Menschen, sich bewusst auf eine Sache konzentrieren zu können, dabei jedoch keinen Bereitschaft, wie am Computer zeigen zu müssen. Dieser Trend unter Büroleuten, ist so beliebt geworden, dass die meistverkauften Bücher auf Amazon vier Ausmalbücher für Erwachsene beinhaltet (vgl. M.2.Z.4-5). Sogar die Stiftehersteller sehen eine Zunahme im Stiftegebrauch.
Dieses Phänomen zeigt eindeutig, dass bei diesem Trend die Sehnsucht nach Ausgleich in unserer Gesellschaft real und bekämpfbar ist.
III
Einen weiteren Vorzug des langsamen Lebens betrifft die persönliche Bereicherung, beziehungsweise die neuen Blickwinkel, die in der Ruhe zu finden sind.
Ist man nicht mehr direkt nach der Arbeit in eile, sondern entscheidet sich bei gutem Wetter für einen kleinen Spaziergang, sokann kann man neue Interessen entdecken, welche vorher unter dem gegenwärtig andauernden Leistungsdruck vielleicht sogar Drang beschäftigt zu sein, unterdrückt wurden. Philosoph und Psychoanalytiker Blaise Pascal sieht „die Wurzel aller Probleme der Menschen, in der unfähigkeit, still allein im zimmer sitzen. (M.4. Z.28 30)
Wird dieses Problem jedoch überwunden, geht es den Menschen folglich besser. Auch der Gründer des zusammenschluss von jenen, die in einer „langsamen Stadt“ leben, setzt „wo der Mensch noch das Langsame anerkennt“ (M.1. Z.20) als Ziel in seinem Manifest. Eine Ruhe im Alltag ist also auf mehreren Ebenen vorteilhaft. Neben der Stressreduktion kann es auch zur Entdeckung von persönlichen Interessen führen, welche durch die Ruhe zu finden sind
IV
Zudem kann ein individuelles Tempo im Leben auch ein Form der Profilaxe psychischer beziehungsweise physischer Probleme dienen.
Menschen, denen jeden Tag Stress, Druck oder andere Faktoren, welche psychische Belastung generieren, ausgesetzt sind, haben im Durchschnitt erhöhte chancen auf einen ungesunden Lebensstil. Dieser zeigt sich oft in schlechter Nahrung, weniger Bewegung und kann hin, bis zu psychosomatischen Problemen führen. (vgl. M4. Z.9-20) solche zeigen sich meist in Herz-Kreislauferkrankungen.
Grund hierfür ist der erhöhte Ruhepuls, welcher durch schlechte Nahrung beziehungsweise Mangel an Bewegung hervortritt.
Lebt man demnach einen langsamen Lebensstil, so ist Prävention zwangsläufig gegeben.
Neben den genannten Vorzügen des entschleunigten Lebensstils, gibt es auch Nachteile, welche bei einer differenzierten Betrachtung des Gesamtbildes nicht außer Acht gelassen dürfen.
V
Einerseits, ist es wichtig zu betonen, dass ein solcher Lebensstil zu Vereinsamung führen kann.
Gemeint ist nicht die herkömmliche Selbstverschuldete Vereinsamung, vielmehr ist hier, der so wie mir scheint, gewissermaßen Zwang zur Vereinsamung gemeint. Dabei handelt es von dem Trend, der besonders in jungen Generationen, zu dem Motto des „Zeit für mich selbst“ (M.5.Z.73-74) verleitet.
Welches jedoch oft falsch verstanden wird. Bei einigen kommt es so an, dass dies ein Aufruf zum egoismus sei.
Also dass man das eigene Wohl über das Gemeinwohl setzt. Wird das dann von Menschen beobachtet, welche sich dieses Motto weniger zu Herz genommen haben, so kann das zur Ausgrenzung führen. Denn, „wer sich selbst am nächsten ist, wird \[…\] einsam“ (M.5.Z.11). Doch nicht nur das, auch die „Instagram-Logik, mich beschäftigt und damit als spannend darstellen zu müssen“ (M.3.Z.21) kann, insofern man auf Instagram auf das langsam Leben Motto aufmerksam geworden ist, nach wie vor Grund zu vereinsamung sein. Dieses Motto wird, besonders in der jungen Generation oft falsch verstanden, was zum gegenteiligen des erhofften führt.
VI
Neben dieser Problematik, ist auch die vermarktung des langsamen Lebens irreführend.
Auf sozialen Medien wird dieses Problem so verkauft, als sei es die Lösung für jeglichen Stress. Und das stimmt auch ein Stück weit.
Der Stress, generiert durch jene Dinge, die man nicht merkt, wenn man Soquasi emanzipiert ist, gemeint ist das langsame Leben, geht weg. Doch dieser Teil des Gesamtstress ist nur ein Stück dessen, was den Stress wahrhaft generiert. Aktuelle Studien unterstreichen diese
Aussage (vgl. M4.26),
Unser Stress entsteht vielmehr durch die Tatsache der (unleserlich) in einer Gesellschaft zu leben, welche viel wert auf Leistung legt. Dadurch entsteht folglich ein
Zwang, eine „notorische Unruhe“, (M.3.Z. 30) die uns zum ständigen Handeln zwingt, denn sonst stimmt mit uns etwas nicht (M.3.Z.30-37). Denn, Das, was uns versprochen wird, wenn man „seinen inneren Frieden“ findet, kann defakto nicht durch die Stressreduktion im Alltag erlangt werden.
VII
Zu guter letzt, gehört das wohl wichtigste Argument hierzu belichtet.
Die Rede ist von dem Bereits erwähnten Egoismus, welcher oft als Individualismus, in diesem Fall als „langsames Leben“ genannt ist.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Werte, Weltanschauung sowie Religionen zur Verbesserung des Online-Profils verwendet werden. Neben zu versuchen viele Menschen auch derartige Trends in das Leben zu rufen, um ihr häufig aus Mangel an Respekt und
Achtsamkeit geprägtes Verhalten zu rechtfertigen.
„Ja, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören ist wichtig, \[...\] aber egoistisch durchs Leben \[zu\] laufen ist toxisch“ (M.5.Z.16-18). Leider ist
ein solches Verhalten doch immer mehr erkennbar, was nur den Mangel an Reife in unserer Gesellschaft widerspiegelt. Dazu gehören auch die sinnvolle Gewichtung gegenwärtiger Probleme.
Die Not, mit welcher ein Mangel an Freizeit oft inszeniert ist, fällt in Realität doch geringer aus. So sind ist es immernoch die klare Mehrheit, die kein Mangel an Zeit wahrnimmt. (vgl. M.6)
Man darf einen solchen Trend nicht als Ausrede zur Gemütlichkeit verwenden, die Tendenz ist leider trotzdem gegeben real.
VIII
Fasst man nun, im Anblick des Gesamtbildes zusammen, gibt es sicherlich beidseitig überzeugende Argumente. Einerseits ist die Stressreduktion ein vielversprechendes Argument der Befürworter. Genauso ist jedoch auch die Kritik berechtigt. Diese meint, dass es sich um eine Ausrede handelt, den Egoismus freien Lauf zu lassen. Wägt man These sowie Antithese auf, so entsteht ein klares Übergewicht zu gunsten der Antithese. Nur durch ein klares Ja oder Nein, ist man dieser Problematik jedoch nicht gerecht geworden. Ein Weg in der Mitte, zugunsten der Antithese, wäre hierbei denen weiteren Fortbestand des langsamen Lebens , solange er eine Hilfe für Menschen im Alltag bedeutet wird dieses jedoch anti-sozial oder destruktiv, ist es an der Zeit, die Medienkompetenz der Menschen aufzufrischen. Aber auch zwingen kann man sie nicht.
Denn auch hier gilt: Solange es den Menschen hilft, ähnlich wie bei den Religionen. Hat es einen Mehrwert? Leiden Menschen? Dann ist es für Manch einen womöglich Hilfreich. Doch aus der Zeit, dass alle Menschen auf den gleichen Zug, ohne zu denken aufspringen, sind wir seit Weimar nicht mehr.